Je emotionaler ein Thema, desto schwerer fällt uns ein differenzierter Umgang. Doch gerade eine Situation wie die Corona-Pandemie zeigt, wie notwendig er ist – wenn es etwa um Tierversuche oder Gentechnik geht.

Dank Hygiene und moderner Medizin sind wir in der Lage, uns vor vielen Viren und Bakterien zu schützen. Dennoch fallen jährlich Millionen von Menschen Mikroorganismen zum Opfer. Und immer wieder entstehen neue Varianten. Das zwingt uns, permanent neue Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln. Und auch unsere hohen Hygiene- und Lebensmittel-Standards müssen wir aufrechterhalten. Was wir dabei häufig vergessen oder verdrängen: Hinter der Entwicklung von moderner Medizin stecken auch Tierversuche oder Gentechnik, hinter Hygiene steckt auch das Behandeln und Verpacken von Lebensmitteln, hinter einer sicheren und gesunden Versorgung mit Lebensmitteln steckt eine moderne Agrarindustrie. Es ist wichtig, manchmal sogar lebenswichtig, dass wir diese Themen differenziert betrachten und nicht pauschal verteufeln.

Beispiel Tierversuche: derzeit noch eine Notwendigkeit in der Medizinforschung.

Als Humanisten haben wir in unserem Grundsatzprogramm verankert, dass – wo immer möglich – nicht mit Tierversuchen, sondern mit Ersatzmethoden gearbeitet und eben diese Ersatzmethoden schnellstmöglich weiterentwickelt werden sollen. In der medizinischen Forschung ist es aber nicht immer möglich, beispielsweise auf Zellkulturen oder Biochips zurück zu greifen. Eine Tatsache, der wir ins Auge sehen müssen, wenn wir weiterhin Menschen vor Krankheit oder Tod durch Mikroorganismen schützen wollen. Es hilft nicht, wenn man Forscher, die auf Tierversuche zurückgreifen müssen, verunglimpft und aus dem Land treibt. Wir brauchen sie, wenn wir uns nicht von Medikamenten und Impfstoffen aus dem Ausland abhängig machen wollen. Tiere retten wir damit auch nicht, wir verlagern Tierversuche lediglich in Länder, die deutlich laschere Tierschutzgesetze haben. Was wir brauchen, ist ein differenzierter Umgang mit diesem hoch emotionalen Thema: „Aus den Augen, aus dem Sinn“ kann nicht die Lösung sein.

Beispiel Gentechnik: Zukunftspotential in der Medizinforschung

Es gibt viele verschiedene Formen von Gentechnik. Die meisten haben das Ziel, uns vor Hunger, Krankheit und krankheitsbedingtem Tod zu bewahren. Bei allem Verständnis für die Bedenken, die viele bei solch komplexen Themen und relativ neuen Technologien haben: Wir müssen den wichtigen Diskurs darüber wieder auf eine rationale Basis holen und einen gesetzlichen Rahmen schaffen, in dem Genforschung möglich ist. Ansonsten verlieren wir nicht nur den Anschluss, sondern geben auch jegliche Kontrolle ab. Gentechnik wird ein Teil unserer Zukunft sein, ob wir wollen oder nicht. Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet also nur: Wollen wir, dass Länder wie China den ethischen Rahmen für Gentechnik bestimmen? Als Humanisten mit großer Nähe zur Wissenschaft, sagen wir Nein und setzen uns seit Langem für Gentechnik in Deutschland und Europa ein. 

Tierversuche und Gentechnik differenziert zu betrachten, ist keine Position, für die wir oft gefeiert werden. Aber krankmachende oder tödliche Mikroorganismen bekämpft man nicht mit populären Positionen, sondern mit Wissenschaft. Als Partei setzen wir uns für einen differenzierten und rationalen Umgang mit allen Bereichen der Wissenschaft ein, nicht obwohl, sondern weil wir Humanisten sind.

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